Nachtrag zu Auf nach Anaheim und Getrennte Wege
Nach 3 Jahren und 26 Konzerten in 11 Ländern hatte ich in Anaheim / USA mit einem dann Dutzend besuchter Länder auf der Tour meine Konzerte Nummer 27 und 28 auf der 360° Tour von U2.
Und ich übertreibe nicht wenn ich sage, dass sie besser hätten nicht laufen können.
Am Stadion zuerst Bekannte und Freunde (Cathal, Paul, Nick, Daniel, Alan, Julien, Michael, Stefan und Ingo – und später bei der Sitzplatzsuche auch noch Denise, mit der ich zusammen nach Zürich gefahren bin und die grade mit ihren Eltern Urlaub in den Staaten macht! Welch Zufall) getroffen sowie mit David aus Seattle noch jemand sehr netten kennengelernt, der auch sehr hilfsbereit war was gewisse Mitschnitte anging, und dann sogar U2 an einem vorbeifahren gesehen, als sie am Stadion eintrafen.
Bei Anaheim 1 hatte ich Sitzplatz direkt gegenüber der Bühne sodass ich die Claw samt Lichteffekten noch einmal in voller Pracht erleben konnte.
Zu meiner rechten und linken saßen jeweils ein etwas älteres Amipärchen, bei welchen lustigerweise jeweils die Dame der große Fan war, aber es ihr erstes Mal U2 live sein sollte. Vor allem das Pärchen aus Denver (also die Frau davon) waren dann auch während des Konzertes ganz aus dem Häuschen und gingen echt gut mit. Überhaupt war ich positiv überrascht von meinem Block was die Stimmung angeht. Es wurde schon bei Lenny aufgestanden und dann quasi auch durchweg bei U2 (Ausnahme die Balladen „natürlich“, da musste man dann Getränke holen und mich stören*grrrrr*).
Bei Anaheim 1 hatte ich endlich meine persönlichen Tourpremieren von Even Better Than The Real Thing, All I Want Is You, der neuen Version von Magnificent, „Batman“ mit den additionalen Streichern sowie Scarlet und Zooropa (zwei meiner heimlichen Lieblingssongs von U2).
Dieses erste Konzert empfand ich als sehr solide bis gut – immerhin saß ich weit weg, konnte also nicht die richtige Stimmung wie im FOS oder am Catwalk aufsaugen und mit abgehen, und bin ja auch schon routiniert was die Konzerte allgemein anbelangt. So waren meine persönlichen Highlights neben den Tourpremieren der erste Auftritt von Paul McGuinness, dem Manager der Band, der zu Ehren seines 60. Geburtstages von Bono zum ersten Mal in U2’s Karriere auf die Bühne gebeten (eigentlicht eher von Bono heraufzitiert) wurde sodass das Publikum ihm ein Ständchen singen konnte. Der emotionalste Moment für mich persönlich war aber die Videobotschaft von Aan San Suu Kyi, die sich u.a. für die Unterstützung von U2 + Fans bedankte. Vor allem der letzte Teil vom Video, in dem sie sagt, dass alle Veränderung immer mit einer Person anfängt (und somit in das Lied One überleitet), rührte mich sehr. Unglaublich intensiv für mich.
Nach dem Konzert dann schnell nochmal mit ein paar Bekannten getroffen und dann ab zum Motel, um für ganze 3 Stunden zu schlafen bevor es um 5:30 Uhr wieder Richtung Stadion ging. Anstehen für Konzert 2, diesmal aber Stehplatz.
Anaheim 2 dann der letzte Höhepunkt mit (fast) allem, was ich mir erhofft hatte.
Bettina hat mich freundlicherweise um 5:30 Uhr zum Stadion gefahren (siehe Bildereintrag vom 18. ;) ), wo ich mich als Nummer 52/Edge’s Seite in die Liste eintragen konnte. Beim Anstehen bin ich mittlerweile immer gespannt, was für eine Art Fan denn mit ansteht. Bei Ana1 z.B. empfanden einige die Schlange als recht „anonym“, will heißen es wurde wenig bis kein Small Talk gemacht oder ähnliches. Ich hatte an diesem Tag (mal wieder) mehr als Glück und habe doch einige Bekanntschaften schließen können. Je nachdem wie die Queue vom menschlichen her ist kann man auch mehr und weniger entspannt und locker den Tag angehen. Und der Tag war quasi wie meine Erlebnisse in Helsinki oder Zürich, also super toll! Ich habe Leute aus Seattle, Dallas, Norwegen, Tijuana, Mexico City und Los Angeles kennengelernt und Daniel hat von Alan auch einen Campingstuhl ausgeliehen bekommen sodass wir nicht den ganzen Tag auf dem Boden liegen mussten.
Gegen Mittag kam dann auch ein Bono-Doppelgänger vorbei, welcher das bisher Beste Look-a-like war, das ich gesehen habe. Er hat sogar von der Art her so gesprochen wie Bono. Nachmittags entdeckte ich bei Alan auch ein Pärchen aus England. Die Frau meinte, sie kenne mich aus Helsinki oder Horsens und dass wir da gemeinsam getanzt hätten *g*. Daran konnte ich mich aber leider nicht mehr erinnern. Der Moment war richtig witzig weil Alan das Pärchen von seinem Europatrip kennt und ich auch – kleine Welt (Teil 1) mal wieder.
Als es dann Richtung Einlass ging beschlossen Daniel und ich zusammen zu bleiben und uns einen Spot am Catwalk zu suchen. Wir hatten viel Glück denn ich kam ohne Probleme in die Mitte des Catwalks (die GA-Schlange auf Adam’s Seite wurde wohl später ins Stadion gelassen) und auch Kyle und Kevin, die etwas weiter hinten in der Queue standen, ergatterten Spots neben bzw. hinter uns. Mattias und Fred aus Norwegen kamen in den FOS letzte Reihe Mitte wie gewünscht und auch das Pärchen aus Seattle habe ich wieder entdeckt. Glückseligkeit bei allen ;).
Auf dem Rückweg von der Toilette habe ich dann hinten am Mixing Desk Alan nochmal gesehen, der sich mit einem Bekannten unterhielt. Als er mich vorstellte, schaute mich der Bekannte verdutzt an und fragte, ob ich loftarasa auf u2torrents sei, was ich bejahte. Es stellte sich dann heraus, dass er der User ist, der mich vor ca. 3 Wochen angeschrieben hatte wegen Aufnahmen der Konzerte – Kleine Welt (Teil 2)!
Und wieder Glück mit den Leuten um uns herum. Zu meiner Rechten waren 3 Mädels aus Mexiko mit denen ich sehr schön feiern (=springen) konnte beim Konzert. Hinter uns standen zwei nette Amis und zwei Engländer mit denen wir uns auch gut verstanden (mit einem habe ich sogar kurz über Sigur Rós sprechen können weil die sonst niemand kannte als Jónsi auf einmal in der Preshowmusik auftauchte!) und die auch richtig mit gefeiert haben.
Lenny im Vorprogramm war unglaublich genial! Er hatte es richtig drauf das Publikum zu animieren (hat halt auch die richtige Art von Songs dafür) und hat seine Songs teilweise richtig geil in die Länge gezogen. Ich habe mir zeitweilig überlegt, ihn neben Mannheim auch noch in München anzuschauen ;). Jedenfalls hat er seinen Job so gut gemacht, dass wir im FOS und am Catwalk lauthals „Lenny! Lenny!“-Rufe gemacht haben, ohne aber eine Zugabe zu bekommen ;).
Daniel hatte (s)ein persönliches Highlight als Stu (Adam's Basstechniker) den Bass gestimmt hat. Als er den Catwalk entlang kam hielt Daniel einen Zettel mit "Pick please!" hoch und Kevin, Kyle, die Mexikanerinnen und ich machten Stu lauthals auf Daniel aufmerksam *g*. Dieser reagierte mit einem Grinsen a la "ach, was soll's!" und gab Daniel einen original U2-Pick. Das Gleiche wäre dann auch fast mit Dallas (Edge's Gitarrentechniker) passiert, aber der gab das Pick jemandem 5 Meter weiter rechts von uns. Bei Stu's zweiter Runde auf dem Catwalk haben wir uns dann auch lauthals bei ihm bedankt ;).
Dann warten auf U2 und die große Frage, was sie spielen. Würden sie The Fly spielen (schließlich wurde es oft genug in den Soundchecks geprobt) und welche Setänderungen kann man noch erwarten oder erhoffen? Daniel war ja etwas pessimistisch angehaucht im Gegensatz zu mir, aber was dann kam, damit hatten wohl die wenigsten gerechnet! Es gab nun zwar keine ganz großen Songüberraschungen wie z.B. Bad oder Love Rescue Me, dafür aber wurde die Setliste derartig durcheinander gewürfelt, dass es stellenweise ein Ratespiel war, was denn nun folgen würde.
Ich möchte nicht zu jedem Song ins Detail gehen, daher nur die Impressionen, die für mich am intensivsten und emotionalsten waren:
Natürlich kommt an erster Stelle Even Better Than The Real Thing, der Konzertopener. Das Gefühl, als Space Oddity plötzlich in den Anfang von EBTTRT übergeht, die Lichter ausgehen und gelbe Suchscheinwerfer durchs Stadion leuchten war einfach unglaublich. Das Publikum schrie und jubelte bis nach endlosen Sekunden endlich die Band auf die Bühne kam. Als Edge dann mit dem Gitarrenriff einsetzte gab es für uns da unten kein halten mehr. Es wurde gesprungen und ausgerastet als wäre es das Einzige, was zählt. Als der Song dann in der Mitte diesen kleinen Bruch hat und Bono nochmal anheizte und schließlich dann wieder Fahrt aufgenommen wurde, kam ich mir teilweise so vor, als wäre ich in einem Contest wer am höchsten Springen kann ;). Am Ende des Songs dann Glückseligkeit, die sich dann in ungläubiges Staunen wandelte als doch tatsächlich die ersten Klänge von The Fly zu hören waren! So geil!!!! Am Ende von Song zwei war ich somit schon ziemlich am Schwitzen und konnte nicht mehr ;).
Mysterious Ways und Until The End Of The World kamen dann zwar an früheren Stellen im Set wie normal, wurden aber ein bisschen zum Verschnaufen genutzt. Witzig bei UTEOTW war, dass Bono im Mittelteil hier wohl seit neuestem mit Blumen rumspielt („Er (Bono meint damit wohl Gott) liebt mich, er liebt mich nicht…“), welche aber nicht am vorgesehenen Platz bereitlagen. So musste ihm Larry’s Drumtechnician diese nachreichen und wurde mit einem kleinen Tänzchen empfangen.
Nach Until The End dann ein weiterer Schockmoment als auf einmal (nach einer ungewollt lustigen Introrede von Bono) One gespielt wurde, was sonst ja erst im Zugabenblock kommt. Doch damit nicht genug, denn gleich darauf folgte Where The Streets Have No Name was bei uns wahre Begeisterungsexplosionen auslöste! Es ging sogar soweit, dass ich mit einer Mexikanerin und einem Ami hinter mir abwechselnd Arm in Arm gesprungen bin. An diesem Punkt im Konzert war ich emotional zum ersten Mal so weit, dass ich hätte heulen können ob der Gewissheit, dass dies mein letztes U2-Konzert für wohl die nächsten 4 Jahre sein würde.
Es blieb aber keine Zeit zum Verschnaufen oder sentimental werden denn die (für mich) zweite richtig große Überraschung folgte mit I Will Follow, was sonst ja nur an zweiter Stelle im Set bisher auftauchte! Wenn man sich die Setliste bis hierher anschaut könnte man U2 fast schon Körperverletzung vorwerfen da sie uns nur bei One und teilweise bei Mysterious Ways und Until The End Möglichkeiten zum Verschnaufen gaben ;)… I Will Follow … es war einfach grandios, geil, super, klasse und zum Stimme verlieren ;)!
Die nächsten paar Songs waren dann ohne weitere Überraschungen (das Einspielervideo vor Beautiful Day mit dem Astronauten Mark Kelly - er ist aber der Mann von G. Giffords, welche vor ein paar Monaten bei einem Amoklauf während einer polit. Veranstaltung angeschossen wurde und ins Koma fiel - und die Rückkehr zum „keltischen“ Intro von Beautiful Day waren jedoch richtig, richtig intensiv für mich!) bis ich Zooropa über mich ergehen lassen durfte :)…geniale Lichteffekte der Claw.
Der Rest vom Konzert bis zu den Zugaben waren dann quasi „Standard“. Nur leider wurde mir mit jedem Song bewusster, dass das Konzert bald zu Ende sein würde.
Bei With Or Without You war es dann auch soweit und ich musste richtig losheulen weil die Gewissheit langsam auch zur Realität wurde. Daniel ging es nicht anders und wir heulten bis zum Schluss durch…
Jetzt, mehr als 1 Woche nach dem Konzert lässt sich wieder etwas leichter darüber schreiben, aber direkt nach dem Konzert wollte ich erstmal nicht reden und habe nur versucht, die ganze Atmosphäre nochmal in mich aufzusaugen. Als wir Cathal und Nick dann wieder trafen wollte ich eigentlich nichts sagen aber statt dessen musste ich nur nochmal losheulen sodass mich beide erst mal in den Arm nehmen mussten.
Bis wir schließlich alle aus dem Stadion draußen waren vergingen nochmal ca. 15 Minuten. Es gab dann ein kleines Treffen wo man sich nochmal austauschte und dann schließlich verabschiedete.
Hm, das wars dann wohl erstmal.
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